Ganztagsschulen entwickeln

Wir brauchen echte Ganztagsschulen im Bezirk
Die Entwicklung unserer Schulen zu echten  Ganztagsschulen ist mit einigen pädagogischen und organisatorischen  Veränderungen  verbunden.  Im Bezirk Harburg arbeiten insgesamt 32 Schulen im staatlichen Bereich ganztägig. Von diesen 32 Schulen werden 16 als offene Ganztagesschulen, davon 12 Grundschulen als „Ganztägige Bildungs- und Betreuungsstandorte (GBS)“ geführt. Acht Schulen sind teilgebundene Ganztagsschulen,  acht sind gebunden.

Gute Ganztagsschulen brauchen eine Lernkultur, die auf Voraussetzungen und Interessen der einzelnen Kinder und Jugendlichen eingeht. Sie sind gekennzeichnet durch folgende Parameter:

  • Vom Lernort zum Lebensort und Erfahrungsraum: Die Schulen wandeln sich  von einem Aufenthalts- und Lernort zum Erfahrungsraum und zum Lebensort im Sinne der „Schulpolis“ des Pädagogen Hartmut von Hentig. Belehrung  wird zunehmend durch eigene Lernerfahrung ersetzt. Schülerinnen und Schüler lernen miteinander und voneinander. Fachliche und soziale Kompetenzen werden gestärkt, die Lernprozesse werden von multiprofessionellen Teams gestaltet und begleitet, die aus Pädagogen und außerschulischen Kooperationspartnern, die neue Impulse des Lebens in die Schule bringen, bestehen. Entscheidend bei dieser Arbeit ist, dass alle Beteiligten gemeinsam von einem ganzheitlichen Lern- und Erfahrungsbegriff ausgehen und keine Trennung in  unterrichtliche Lernprozesse und Betreuung oder schlimmstenfalls Aufbewahrung erfolgt. Dies erfordert eine gute Abstimmung und Koordination aller Akteure, für die natürlich zusätzliche Zeit zur Verfügung stehen muss. Eine flexible Unterrichtsgestaltung, die authentische Lernsituationen im  oder aus dem Stadtteil ausdrücklich einbezieht, eröffnet neue Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten.
  • Individualisierung des Lernens:  Ganztagsschulen bieten gute Chancen für individuelle Entwicklungen und Förderungen. Das Konzept „Fördern und Fordern“ berücksichtigt im Idealfall  die Fähigkeiten aller Kinder. Ganztagsschulen erfordern eine  Integration der  Hausaufgaben in den Schulalltag. Vielfältige Angebote in Arbeitsgemeinschaften, Projekten,. Neigungsgruppen und Wahlunterricht ermöglichen  individuelle Begabungs- und Persönlichkeitsentwicklungen.
  • Freizeitgestaltung kann man lernen: Schule und Freizeitgestaltung – die Ganztagsschule fügt beides zusammen. Vielfältige Angebote eröffnen neue  Interessen und Zugänge und fördern die Motivation. Ganztagsschulen bieten Rückzugsorte für den Einzelnen und Räume zur sportlichen,  spielerischen und künstlerischen Entfaltung. In diesem Sinne braucht sie auch spezielle großzügige Raumangebote. Das  preiswerte Konzept der „multifunktionalen Räume“ zum Lernen, Essen und individueller Freizeitgestaltung ist hier sicher keine Lösung.
  • Gesunde Verpflegung: Für eine optimale Entwicklung von Trinkbrunnen am Alexander-von-Humboldt-GymnasiumKindern und Jugendlichen ist eine gute Ernährung unabdingbar. Es kann davon ausgegangen werden, dass eine ungesunde Ernährung gerade in diesem Alter den Grundstein für viele zukünftige Krankheiten legt.  Studien wie die europaweite HELENA-Studie (Healthy Lifestyle in Europe by Nutrition in Adolescent) zeigen ein erschreckendes Maß an ungesunder Ernährung und Übergewicht bei  Jugendlichen auf, das  noch zunehmend ist.Gesunde Ernährung und Lebensführung haben seit langem in den Rahmenplänen und im Unterricht der Schulen eine große Bedeutung. Es kann aber nicht nur darum gehen, über gesunde Ernährung zu lehren, sondern diese muss in den Schulen auch gelebt werden. Durch die Einrichtung von Ganztagesschulen ist die Schule für die Schülerinnen und Schüler für den größten Teil ihrer Zeit der Aufenthaltsort geworden. Unter der Zielsetzung „Leben was man lernt und lehrt“, wird  Schule zu einem Modellhaushalt nachhaltigen Denkens, Urteilens und Handelns und muss auch handlungsorientierte Lösungswege für eine gesunde Ernährung anbieten und aufzeigen.  Dazu gehören Essen- und Getränkeangebote nach den Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), frisch zubereitetes Essen  aus Produktionsküchen  und Schulmensen, die  die Esskultur eines gemeinsamen Essens mit sozialem Lernen und der Entwicklung eines Gemeinschaftsgefühl durch ihre Konzeption und Baulichkeit fördern. Essen ist ein Teil der Kultur – keine bloße Nahrungsaufnahme! Schule hat Vorbildfunktion für verschiedene Lebensstile auch in der Esskultur: Möglichkeiten der Biokost und der vegetarischen  Ernährung müssen  Teil des Erfahrungsraumes Schule sein.

Ganztagsschulen wollen und können nicht die Familie ersetzen, sie ergänzen das Familienleben sinnvoll,  entlasten Eltern und unterstützen Mütter und Väter, Familie und Beruf besser zu vereinbaren.

Ganztagsschule braucht gute Rahmenbedingungen: Ganztagsschule kann  im Sinne dieser Kernaussagen nur gelingen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Gerade hierzu wird auch in Hamburg zunehmend Kritik laut. Ein Beispiel ist die Onlinepetition vom 15.11.2013 der Elternräte von 12 Grundschulen zur „Verbesserung der Rahmenbedingungen Hamburger Ganztagsschulen GBS/GTS. Damit Bildung an Ganztagsschulen gelingt“, die wir GRÜNE unterstützen.

Zur Problematik der Rahmenbedingungen liegt auch eine aktuelle Anfrage der GRÜNEN-Fraktion in der Bezirksversammlung Harburg vor.